Scheidung: Was passiert mit dem gemeinsamen Haus?

Eine Scheidung ist selten leicht, besonders wenn eine gemeinsame Immobilie mit im Spiel ist. Schnell kommen Fragen auf wie:

  • Was passiert mit dem gemeinsamen Haus?
  • Welchen Vermögenswert stellt die Immobilie dar?

Zwar lassen sich prinzipiell keine Pauschalaussagen treffen, jedoch zeige ich Ihnen im Rahmen dieses Artikels die wichtigsten Punkte auf, die Sie bei einer Scheidung mit Immobilienvermögen vorab wissen sollten.

Was ist eine Zugewinngemeinschaft und für wen ist sie relevant?

Jedes Paar, das ohne einen rechtmäßigen Ehevertrag heiratet, wird rechtlich einer
Zugewinngemeinschaft (gem. §1363 Abs. I BGB) zugeordnet. Diese besagt, dass jedes Vermögen, das Sie während einer Ehe gemeinsam erworben oder erwirtschaftet haben,
bei einer Scheidung gleichmäßig zwischen den Parteien aufgeteilt wird. Dazu gehört auch eine gemeinsame Immobilie, die gekauft oder gebaut wurde.  

Wem gehört die Immobilie?

Hier müssen Sie gleich mehrere Faktoren berücksichtigen, denn wie so oft ist jede Situation individuell zu beurteilen. Wenden Sie sich hierzu am besten an einen Anwalt und besprechen Sie die gegebene Lage, noch bevor Sie die Scheidung einreichen.

Folgende Faktoren spielen eine wichtige Rolle:

  • Wer ist im Grundbuch als Eigentümer eingetragen?
  • Wurde ein Ehevertrag abgeschlossen, der diese Vermögensaufteilung möglicherweise bereits regelt?
  • Wurde das Haus vor oder während Ihrer Ehe gekauft?
  • Ist die Immobilie bereits abbezahlt oder wird noch ein Kredit bedient?

Die zwei besten Lösungen, wenn beide Ehepartner Eigentümer des Hauses sind:

1.) Sie einigen sich einvernehmlich, wer von beide Parteien zu welchen Konditionen die Immobilie behalten darf.

- oder -

2.) Sie verkaufen das Haus und der Verkaufserlös wird zwischen den Parteien zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Welchen Wert hat die Immobilie?

Die Aufteilung eines gemeinsamen Hauses gestaltet sich also schwierig. Zum einen, weil man eine Immobilie eben nicht einfach zerteilen kann und zum anderen, weil der Wert einer Immobilie sich im Zeitverlauf verändert.

Über die Jahre wirkt naturgemäß ein gewisser Verschleiß an Bauteilen (z.B. Dach, Fassade, Fenster) oder Geräten (z.B. Heizungs- und Elektroinstallationen). Aber auch die Verschlechterung der Wohnlage ist möglich, z.B. durch den Bau einer nahegelegenen Schnellstraße, die den Wert der Immobilie entsprechend mindert.

Daneben gibt es jedoch auch werterhöhende Einflussfaktoren, wie beispielsweise energetische sowie bauliche Verbesserungen (z.B. Dachdämmung, Solaranlagen oder Wintergarten) oder die steigende Nachfrage am Immobilienmarkt.

Die Ermittlung des Verkehrswertes der Immobilie durch eine/n Sachverständige/n ist daher dringend zu empfehlen, um einen neutral ermittelten Verkehrswert der Immobilie zu erhalten, der gegebenenfalls auch vor Gericht bestand hat.

Im besten Falle beauftragen beide Ehepartner die/den Gutachter/in, dann hat man eine gute gemeinsame Basis, kann Streit im Vorfeld vermeiden und die Kosten für das Gutachten teilen.

Die/der Sachverständige muss im Übrigen nach den rechtlichen Vorschriften arbeiten und hat daher eine besondere Sorgfaltspflicht. Dadurch ist ein unparteiischer Blick auf die vorliegenden Wertverhältnisse gewahrt.

Sollten Sie hierzu Fragen haben oder eine Beratung wünschen, kontaktieren Sie mich gern für ein unverbindliches und kostenloses Erstgespräch.

Nützlicher Tipp:
Im Falle einer mögliche Übertragung der Immobilie an einen der beiden Ehepartner (z. B. wenn der andere Partner mit dem Wert der Immobilie ausbezahlt wird) sollten Sie dies vor der Scheidung regeln, da Ehepartner von der Grunderwerbsteuer befreit sind, welche sonst für die in der Immobilie bleibende Partei im Nachhinein anfallen würde.

Foto von Lisa Fotios von Pexels

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